Bundesversammlung in Köln - Kolpingsfamilie Beindersheim

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Bundesversammlung in Köln

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21.-23.10.2016
350 Teilnehmende aus allen Teilen Deutschlands – Delegierte und Gäste – trafen sich in den Sartory-Sälen im Herzen Kölns, fünf Gehminuten vom Kolpinghaus International entfernt zur dreitägige Tagung der Bundesversammlung des Kolpingwerkes Deutschland. Das Kolpingwerk ist demokratisch organisiert. Die Bundesversammlung setzt sich hauptsächlich aus den Delegierten der Diözesan- und Landesverbände/Regionen zusammen, außerdem aus den Mitgliedern des Bundesvorstandes. Sie tagt nur alle vier Jahre und bildet das oberste Organ des Verbandes und entscheidet über Grundlegendes; außerdem wählte sie den neuen Bundesvorstand.
Bundesversammlung eröffnet – Ermutigung zum Perspektivenwechsel – Warnung vor Verrohung der Sprache
Bei der Eröffnung der Bundesversammlung hat Bundesvorsitzender Thomas Dörflinger an die Höhepunkte in den zurückliegenden Jahren erinnert: das Kolpingjahr 2013 mit Besuch und Ansprache von Bundespräsident Joachim Gauck anlässlich des 200. Geburtstages Adolph Kolpings mit Fernsehbericht in der „Tagesschau“ sowie an den Kolpingtag 2015 mit 15.000 Teilnehmenden und großer nachwirkender Begeisterung.
Dörflinger wies in seinen Eröffnungsworten auf die Besorgnis erregende „Verrohung der Sprache und der Umgangsformen in der politischen Auseinandersetzung“, besonders in den sozialen Netzwerken. „Unsere christlichen Überzeugungen und Werte sind und bleiben Grundlage für unseren Einsatz. Sie sind das Gegenteil von Hass und Hetze“, sagte er.
Jeder Mensch sei kostbar und einmalig – nicht nur in seiner genetischen Veranlagung, sondern in der Vielfalt menschlicher Ausdrucksweisen und Persönlichkeiten. „Als Christen haben wir den Auftrag, diese Welt zu gestalten und zu einem lebenswerten Raum zu kultivieren, wo sich jeder angenommen weiß. Dazu passt nicht die sich ausbreitende Art, andere Menschen zu verurteilen, zu stigmatisieren, zu denunzieren und verächtlich zu machen“, betonte der Bundesvorsitzende.
Offenbar sähen sich einige als Profiteure solcher Polarisierung und Hetze. „Nein, für uns als Kolpingwerk ist die Achtung vor der Würde jedes Menschen ein absolutes Muss! Wir treten ein für einen respektvollen Umgang mit unseren Mitmenschen und lassen etwas anderes in unseren eigenen Reihen nicht zu!“
Dörflinger sagte, dass wir heute in einem Europa ohne nationale Grenzen leben. Für uns sei ein Europa ohne Grenz- und Zollkontrollen, ein Studium in einer europäischen Metropole sowie eine gemeinsame europäische Währung selbstverständlich. „Europa – das ist unsere Gegenwart und Zukunft! Keines unserer wichtigsten Probleme lässt sich im Alleingang oder gar durch die Rückkehr zu europäischer Kleinstaaterei lösen: Die Fragen der Geflüchteten, der Umweltverschmutzung sowie die innere und äußere Sicherheit“, sagte er.
Das Kolpingwerk Deutschland grenze sich deshalb klar von politischen Kräften ab, die die Errungenschaften der europäischen Union leugnen und zu nationalen Alleingängen zurückkehren wollten. „Hier widersprechen wir ganz klar, denn dieses ist mit unseren Werten und Überzeugungen unvereinbar!“ Der Bundesvorstand und die Bundeskonferenz der Kolpingjugend hätten diese Überzeugung in ihren Erklärungen bereits eindeutig zum Ausdruck gebracht.
Bundesversammlung bringt Zukunftsprozess in Gang
Die Bundesversammlung hat den Bundesvorstand beauftragt, zur Zukunftssicherung des Kolpingwerkes Deutschland einen verbandsweiten Zukunftsprozess zu initiieren. Die Ergebnisse des Zukunftsprozesses sollen sich u. a. in einer Weiterentwicklung des Leitbildes „Kolping – verantwortlich leben, solidarisch handeln“ niederschlagen, über das die Bundesversammlung 2020 beschließen soll.
Ziel des Zukunftsprozesses ist die Aktivierung unseres Mitgliederverbandes und die Klärung und Sicherung der Rolle und des gesellschaftlichen Beitrags von Kolping in einer sich wandelnden Gesellschaft. Der Zukunftsprozess basiert und reagiert auf gesellschaftliche und kirchliche Veränderungsprozesse und Entwicklungen – wie z.B. dem demografischen Wandel – und stellt sich den relevanten Fragen, die sich daraus für das Kolpingwerk Deutschland ergeben.
Die Delegierten der Bundesversammlung haben gewählt
Die Bundesversammlung hat entschieden und den Bundesvorstand neu gewählt: Zum Bundesvorsitzenden wurde Thomas Dörflinger wiedergewählt. Zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden bestimmten die Delegierten Klaudia Rudersdorf. Zum Bundespräses wiedergewählt wurde Josef Holtkotte. In das neue Amt der Geistlichen Leiterin wurde Rosalia Walter gesandt. Als weitere Mitglieder wählten die Delegierten in den Bundesvorstand:
Johannes Bergmann, Andreas Blümel, Ernst Joßberger, Mark Keuthen, Reinhard Ockel, Reinhold Padlesak, Harold Ries, Jutta Schaad, Andreas W. Stellmann
Festakt der Bundesversammlung am Grabe Kolpings in der Minoritenkirche
„Menschen, die andere nicht verurteilen, sind großartig.“ Der Kölner Weihbischof Ansgar Puff brachte beim Gottesdienst für die Teilnehmenden der Bundesversammlung die Botschaft des Evangeliums auf den Punkt. Der Text beschreibt zwei unterschiedliche Menschen, die zum Gebet ins Gotteshaus gekommen waren. Der eine, so beschrieb der Weihbischof, war ein frommer Jude, der anscheinend alles richtig machte. Der andere ein Schwindler und Ausbeuter, der sich eingesteht, dass er ein Sünder ist, der den Geboten Gottes nicht entsprechen kann. Ansgar Puff warnte davor, dass der äußere Schein der Frömmigkeit in eine falsche Haltung hineinführt. Stolz und Selbstüberschätzung könne das Ergebnis sein, aber auch Überforderung. Für den Weihbischof kommt es darauf an, zu wissen: „Wir sind nicht perfekt, aber Gott schaut uns jederzeit mit Liebe an.“
Am Ende des Gottesdienstes verlas der Weihbischof die Beauftragungsschreiben für Rosalia Walter, Geistliche Leiterin des Kolpingwerkes Deutschland, Bundespräses Josef Holtkotte und Fabian Bocklage, Geistlicher Leiter der Kolpingjugend im Kolpingwerk Deutschland.
Nach dem Gottesdienst, der von zahlreichen Bannern begleitet wurde, überreichte Bundesvorsitzender Thomas Dörflinger die Adolph-Kolping-Plakette an den früheren Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück. Bevor er zum ZdK-Präsidenten gewählt wurde, war der gelernte Landwirt Alois Glück politisch in der CSU engagiert, zuletzt als Präsident des bayerischen Landtages. „Mit Alois Glück ehrt das Kolpingwerk Deutschland eine Persönlichkeit, die über viele Jahre hinweg das gesellschaftliche und kirchliche Leben in Deutschland mit gestaltet und mutgeprägt hat“, sagte der Bundesvorsitzende. Er habe immer wieder das Wort ergriffen, wenn es galt, die besondere Verantwortung der Laien in der katholischen Kirche – entsprechend den Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils vom allgemeinen Priestertum der Laien – einzufordern. Vielfach habe er die besondere Bedeutung der katholischen Verbände  betont.  „ Nachhaltig hat er dem organisierten Laienkatholizismus in Deutschland ein Gesicht und damit eine wahrnehmbare Stimme gegeben.“
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